Apartheid

Zwischen den Zeilen wird der eine oder andere schon gelesen haben, dass ich politisch kein Linker mehr bin – allerdings einmal einer war. Ist mir übrigens nicht peinlich.

Rückblickend in Zeiten meines Links-seins stelle ich fest: die Haltung fußt auf humanistischen Grundwerten, die einige aus Eifer über Bord warfen und hinter sich ließen. Zu dieser Sorte Eiferer zählte ich nie. Werte sind Werte und Basta.

1989 arbeitete ich in einem Startup-Unternehmen. In der Schulungs- und Trainingsphase erhielt ich die Hausaufgabe, die von Europa verachtete Apartheid Südafrikas dem Kunden zu „verkaufen“ – also eine Verteidigungsrede aufzusetzen der staatlichen Rassentrennung und -diskriminierung – die ich aus tiefstem Herzensgrund verachtete!

Einer der Humanistischen Grundwerte ist Ehrlichkeit des Herzens. Ihr beugte ich mich und setzte einen Text auf. Den Wortlaut weiß ich nicht mehr. Ich zitiere erinnerungs- und sinngemäß:

All die Jahre hatten wir ein funktionierendes Gesellschaftssystem. Gäben wir die Kontrolle den Schwarzen, wären diese – mangels Schulwissen – außerstande, die Funktionen der Gesellschaft weiterhin zu sichern. Alle würden unter dem Chaos leiden. Wollen Sie das wirklich?

Wie allen Intellektuellen ist auch mir Hybris nicht völlig fremd. Ich betrachtete meinen eigenen Text und empfand gewissen Stolz auf meine mephistophelische Ader: selbst etwas Verdorbenes wie Apartheid – die ich unverändert verachtete – tatsächlich zu verteidigen.

Mittlerweile sind die Goldenen Zeiten der Herrschaft der Schwarzen in der Realität angekommen.

13.3.2023